Ich drucke hier die Medienmitteilung
zum Danslieue ab. Ich finde die Aktion super, möchte aber anmerken
das ich das Danslieue "nur" als Konsument kenne! Weitere
Informationen gibt es unter
www.raumpflege.org von dort stammt auch der
folgende Text:
Danslieue – wir holen uns die Stadt zurück!


Seit gestern, 18.15 Uhr entsteht an der Seepromenade
beim General Guisan-Quai mitten in Zürich das Stadtgebilde
„Danslieue“. Innert Kürze wird eine Fassadenstadt
hochgezogen - der 13. Kreis von Zürich. Die dazu verwendeten
Absperrgitter symbolisieren die zunehmen-den Ein- und
Ausgrenzungstendenzen in unserer Gesellschaft. Im Innern schaffen
wir uns eine heile Welt, die dazu einlädt an ihrer Gestaltung
teilzunehmen.
Danslieue versteht sich als Protest gegen die zunehmende
Ausgrenzung und Kriminalisie-rung von Menschen sowie gegen die
Kommerzialisierung und Totsanierung von Lebens-raum in Zürich und
der Schweiz. Gesetzesvorlagen, über die das Stimmvolk demnächst
ab-zustimmen hat, drohen diese unmenschliche Situation massiv zu
verschärfen. Wir lehnen das Asyl- und Ausländergesetz ab, ebenso
das neue Polizeigesetz im Kanton Zürich. Wir kritisieren die
Räumung von besetzten Häusern (wie kürzlich an der Jenatsch-Strasse
ge-schehen und vielleicht schon bald an der Stampfenbachstrasse).
Mit dem Bau von neuen Büroghettos wie dem „Stadtraum
HB“ wird die Stadt totsaniert.
Mitten in Zürich entsteht in kürzester Zeit das neue Stadtgebilde
„Danslieue“. Danslieue ist ein Ort, der sich mitten in
der Stadt befindet und alle einlädt, sich in ihm drin aufzuhalten
und an seiner Gestaltung aktiv teilzunehmen. In Danslieue gibt es
offene Foren, ein Info-Café, Verpflegungs-stände, eine offene
Bühne, ein freies Radio und vieles mehr. Nach aussen hin
widerspiegelt die Danslieue-Fassade die gesellschaftliche Tendenz,
„Störendes“ auszugrenzen und sich hinter einer
scheinheiligen Fassade von Sauberkeit, Sicherheit und Wohlstand zu
verschanzen. Die aus Metall, Karton, Tuch und Farbe gestaltete
„Skyline des Bürgertums“ hat Risse und zeigt neben
Stadttoren, Türmen und Häusern auch Überwachungskameras,
Absperrgitter und Checkpoints – alles zentrale Symbole der
Ausgrenzungsgesellschaft.
Wir verstehen Danslieue als aktiven Beitrag zur aktuellen stadt-
und gesellschaftspolitischen Dis-kussion. Danslieue, das ist
unschwer zu erkennen, spielt mit dem französischen Wort
„Banlieue“. Unter Banlieue – dt. Bannmeile -
versteht man allgemein jenen riesigen, durch grosse soziale
Un-terschiede geprägten Vorstadtgürtel, in denen diejenigen
Menschen leben, welche in der auf Standort-Wettbewerb und Rendite
ausgerichteten Stadt keinen Platz haben, respektive von der
Gesellschaft ausgegrenzt, kriminalisiert und abgeschoben werden.
Unsere Danslieue ist eine Um-kehrung dieses Begriffs. Wir
versuchen, den aktuellen negativen Entwicklungen in der Stadt
ent-gegen zu wirken, indem wir diese in all ihrer Konsequenz in
Szene setzen.
Die Vorlagen, über die das Stimmvolk am 24. September abzustimmen
hat, sind nur die aktuells-ten Beispiele dieser Entwicklung. Die
vorgeschlagenen Verschärfungen beim Asyl- und Auslän-dergesetz sind
unmenschlich. Sie beinhalten Ungerechtigkeiten wie:
• kein Ausweis, kein Asyl (=Nichteintreten bei
Papierlosigkeit)
• keine Sozialhilfe für Abgewiesene (=Fürsorgestopp)
• ohne Gerichtsurteil bis zu zwei Jahren Beugehaft für
Abgewiesene und Papierlose (=Zwangsmassnahmen)
• mehr Schnüffeleien bei Heiraten
(=Missbrauchsbekämpfung)
• kein Nachzug von Minderjährigen über 12 Jahren von
ausserhalb der EU (=Familiennachzug)
Das heisst: Arm sein und keine Papiere haben wird zu einem
Verbrechen! Bestrafen will das neue Gesetz auch alle diejenigen,
die Asyl Suchenden bei der Flucht in die Schweiz helfen,
Abgewiese-ne vor einer Ausschaffung zu bewahren suchen oder deren
Aufenthalt in der Schweiz in irgendei-ner Weise
„erleichtern“. Engagierte Bürger, gemeinnützige
Organisationen und Kirchen, die aus bisher berücksichtigten
„achtenswerten Beweggründen“ handeln, sind von den
Verschärfungen di-rekt betroffen: Wer den Sans-papiers hilft, macht
sich neu strafbar. Deshalb sind das neue Asyl- und das neue
Ausländergesetz abzulehnen.
Auch das neue kantonale Polizeigesetz, das demnächst im Kantonsrat
behandelt wird, gehört auf den Müll: Dieses bedeutet eine
menschenrechtswidrige Generalvollmacht für die Polizei. Es
ermöglicht:
• Massiv erleichterter Schusswaffengebrauch
• Personenkontrollen und Körperdurchsuchungen nach
Belieben
• Razzien ohne richterlichen Hausdurchsuchungsbefehl
• Überwachungen wie bei der Stasi und Datensammlungen wie im
Fichenstaat
• Und nicht zuletzt einen willkürlichen
„Wegweisungsartikel“
Die Polizei wird künftig (fast) alles dürfen, der Polizeiwillkür
sind keine Grenzen gesetzt. Der Rechtstaat und die Gewaltentrennung
werden quasi abgeschafft!
Auf der anderen Seite legt man sich für Reiche und Konzerne ins
Zeug. Die Stadt Zürich miss-braucht die Stadtentwicklung immer
stärker für den Standortwettbewerb. Die Enteignung von Stadtraum zu
Profitzwecken geht weit über das bescheuerte Stadt-Marketing im
Namen der Tou-rismusförderung à la „Teddybären“ hinaus.
Beispiel für die von oben verordnete Stadtentwicklung ist das
drohende Büroghetto „Stadtraum HB“, über das am 24.
September ebenfalls abgestimmt wird. Trotz 500'000 Quadratmetern
leer stehender Büros entsteht an zentralster Lage eine weitere
Büro-Einöde, ein totes Quartier ohne gewachsenen Strukturen.
Stadtraum HB treibt die Mieten in den angrenzenden Quartieren in
die Höhe. Einkommensschwache Familien werden zum Wegzug gezwungen,
ehemals bezahlbarer Wohnraum wird abgerissen und Luxus-, bzw.
totsaniert. Wie die Räumung der besetzten Häuser an der
Jenatsch-Strasse zeigt, stellt die Stadt auf Wunsch von Konzernen
– in diesem Fall die SwissLife (ehemals Rentenanstalt) -
sogar Familien mit Kindern, Kulturschaffende, Studenten und
Jugendliche auf die Strasse. Die Räumung erfolgte auf Vorrat, ohne
vorliegendes Bauprojekt und unter fadenscheinigen Angaben –
den HausbewohnerInnen wurde eine Räumungsfrist von lediglich 11
Tagen gegeben. Auch StrassenmusikerInnen passen nicht ins propere
Stadtbild und werden nur noch für maximal 20 Minuten in der Kiff-
und Flanier-bannmeile am See toleriert.
Wir Danslieusardes und Danslieusards sagen NEIN zu diesen negativen
stadt- und gesellschaftspolitischen Entwicklungen. Wir
fordern:
• Stopp der Ausgrenzung, Kriminalisierung, Abschiebung
von Menschen - Stopp der Kommerzialisierung und Totsanierung von
Lebensraum
• Keine Räumung von besetzten Häusern, Nein den unmenschlichen
Polizei-, Asyl- und Ausländergesetzen, Nein zum neuen Büroghetto
Stadtraum HB, Nein zum kulturfeindli-chen
Strassenmusikverbot
Wir wollen Freiraum in der Stadt
für alle!