Discounter: Mobbing-Paradis und Konjunktur-Hemmer?

Gestern wurden die ersten Aldi-Filialen in der Schweiz eröffnet und die breite Öffentlichkeit freut sich, dass nun endlich auch in der Schweiz billig eingekauft werden kann. Überhaupt ist dies bereits seit einem Jahr eines der wichtigsten Themen. Leider stellt sich niemand die Frage, ob billig einkaufen auch in jedem Fall sinnvoll ist. Wie kommen diese billigst Preise überhaupt zu Stande?

Preise bestehen immer aus Produktionskosten, Distributionskosten und Margen. Die Produktionskosten senken bedeutet bei Lebensmitteln, den Bauern für die gleiche Ware weniger zu bezahlen, obwohl die Bauern für ihre eigenen Produktionskosten schon heute zu wenig Geld erhalten und auf Direktzahlungen vom Staat abhängig sind. Die Distributionskosten können gesenkt werden, wenn in der Infrastruktur gespart wird, wenn mit weniger Mitarbeiterinnen die gleiche Arbeit erledigt wird oder wenn die Arbeitnehmerinnen zu schlechteren Bedingungen eingestellt werden. Also das weniger Leute Lohn bekommen und diese dann erst noch weniger Lohn. Aldi praktiziert in der Schweiz noch etwas anderes: Bei Aldi Suisse erhalten die VerkäuferInnen einen höheren Lohn als bei der Konkurenz, dafür ist die Arbeitszeit länger, was dann dem selben Stundenlohn entspricht (Quelle Unia). Zusätzlich werden die MitarbeiterInnen zu höchstens 50% eingestellt, damit muss Aldi den ArbeitnehmerInnen keine Pensionskassenbeiträge bezahlen. Somit wird der Lohn nochmals schlechter als er aussieht.

Wieso sollen nun diese tiefen Preise schlecht für die Konjunktur sein?

Die tiefen Preise basieren auf tiefen Löhnen, dadurch haben Arbeitsnehmende weniger Geld zum Konsumieren. Die wenigen, die viel Geld haben müssen für ihr Konsumbedürfnis zu befriedigen weniger Geld ausgeben. Es wird also für weniger Geld konsumiert, das drückt auf das Bruttoinlandprodukt.

Tiefe Preise müssen aber nicht unbedingt Konjunktur hemmend sein. Wettbewerb politische Massnahmen, welche die Margen bei Importen drücken haben einen durchaus positiven Einfluss, auch eine Homogenisierung von tiefen und hohen Löhnen würde einen positiven Einfluss haben. Nur wollen diese Harddiscounter ja alle auch noch reich werden und verzichten nur ungern auf ihren Gewinn.

Arbeiten in Angst

Die Gewerkschaft Unia macht darauf aufmerksam, dass Aldi versucht ihre Mitarbeiter zum Denunziantentum anzustiften, ja sogar vertraglich zu verpflichten, wer die ArbeitskollegIn nicht verpfeifft der verliert fristlos seinen Job:

"Mit einer Reihe weiterer, rechtlich unhaltbarer Vertragsbestimmung versucht Aldi ein Klima der Angst zu verbreiten:
- Angestellte, die vermeintliche Vergehen von ArbeitskollegInnen – etwa das Essen einer überreifen Banane – nicht melden, riskieren die fristlose Entlassung.
- Die fristlose Entlassung droht u.a. auch beim «Rauchen in allen Räumen, in denen Rauchverbot gilt».
- Verboten sind «sichtbare Piercings und Tattoos», ebenso «unordentliche Haarschnitte und unordentliche Rasur»" (Quelle Unia)

Ob ein Arbeitsklima der Angst oder ein Arbeitsklima des Vertrauens vorteilhafter ist wird sich zeigen. Diese Bestimmungen wird, wahrscheinlich kaum jemand unterschreiben, der Aussicht auf eine andere Stelle hat. Da bleibt die Vermutung stehen, dass der Arbeitgeber Aldi die Angst von der Arbeitslosigkeit und die Konsquenzen für eineN ArbeitsloseN, welcher ein Jobangebot ablehnt ausnutzt.

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