28. Oktober 2005 12:20 Abgelegt
in:
Wirtschaft
Gestern wurden die ersten
Aldi-Filialen in der
Schweiz eröffnet und die breite Öffentlichkeit freut sich, dass
nun endlich auch in der Schweiz billig eingekauft werden kann.
Überhaupt ist dies bereits seit einem Jahr eines der wichtigsten
Themen. Leider stellt sich niemand die Frage, ob billig einkaufen
auch in jedem Fall sinnvoll ist. Wie kommen diese billigst Preise
überhaupt zu Stande?
Preise bestehen immer aus Produktionskosten, Distributionskosten
und Margen. Die Produktionskosten senken bedeutet bei
Lebensmitteln, den Bauern für die gleiche Ware weniger zu bezahlen,
obwohl die Bauern für ihre eigenen Produktionskosten schon heute zu
wenig Geld erhalten und auf Direktzahlungen vom Staat abhängig
sind. Die Distributionskosten können gesenkt werden, wenn in der
Infrastruktur gespart wird, wenn mit weniger Mitarbeiterinnen die
gleiche Arbeit erledigt wird oder wenn die Arbeitnehmerinnen zu
schlechteren Bedingungen eingestellt werden. Also das weniger Leute
Lohn bekommen und diese dann erst noch weniger Lohn. Aldi
praktiziert in der Schweiz noch etwas anderes: Bei Aldi Suisse
erhalten die VerkäuferInnen einen höheren Lohn als bei der
Konkurenz, dafür ist die Arbeitszeit länger, was dann dem selben
Stundenlohn entspricht (Quelle
Unia). Zusätzlich werden die MitarbeiterInnen zu
höchstens 50% eingestellt, damit muss Aldi den ArbeitnehmerInnen
keine Pensionskassenbeiträge bezahlen. Somit wird der Lohn nochmals
schlechter als er aussieht.
Wieso sollen nun diese tiefen Preise schlecht für die
Konjunktur sein?
Die tiefen Preise basieren auf tiefen Löhnen, dadurch haben
Arbeitsnehmende weniger Geld zum Konsumieren. Die wenigen, die viel
Geld haben müssen für ihr Konsumbedürfnis zu befriedigen weniger
Geld ausgeben. Es wird also für weniger Geld konsumiert, das drückt
auf das Bruttoinlandprodukt.
Tiefe Preise müssen aber nicht unbedingt Konjunktur hemmend sein.
Wettbewerb politische Massnahmen, welche die Margen bei Importen
drücken haben einen durchaus positiven Einfluss, auch eine
Homogenisierung von tiefen und hohen Löhnen würde einen positiven
Einfluss haben. Nur wollen diese Harddiscounter ja alle auch noch
reich werden und verzichten nur ungern auf ihren Gewinn.
Arbeiten in Angst
Die Gewerkschaft Unia macht darauf aufmerksam, dass Aldi versucht
ihre Mitarbeiter zum Denunziantentum anzustiften, ja sogar
vertraglich zu verpflichten, wer die ArbeitskollegIn nicht
verpfeifft der verliert fristlos seinen Job:
"Mit einer Reihe weiterer, rechtlich unhaltbarer
Vertragsbestimmung versucht Aldi ein Klima der Angst zu
verbreiten:
- Angestellte, die vermeintliche Vergehen von ArbeitskollegInnen
– etwa das Essen einer überreifen Banane – nicht
melden, riskieren die fristlose Entlassung.
- Die fristlose Entlassung droht u.a. auch beim «Rauchen in allen
Räumen, in denen Rauchverbot gilt».
- Verboten sind «sichtbare Piercings und Tattoos», ebenso
«unordentliche Haarschnitte und unordentliche Rasur»" (Quelle
Unia)
Ob ein Arbeitsklima der Angst oder ein Arbeitsklima des
Vertrauens vorteilhafter ist wird sich zeigen. Diese Bestimmungen
wird, wahrscheinlich kaum jemand unterschreiben, der Aussicht auf
eine andere Stelle hat. Da bleibt die Vermutung stehen, dass der
Arbeitgeber Aldi die Angst von der Arbeitslosigkeit und die
Konsquenzen für eineN ArbeitsloseN, welcher ein Jobangebot ablehnt
ausnutzt.