20 Minuten: Werbeagentur der Schweizerarmee? (Mit Update)

"Kein Bock auf RS: Schweizer Musiker sind Drückeberger," titelte die Gratiszeitung 20 Minuten, vom 26. Juli 2006 in der Rubrik People. Dieser Titel wurde folgendermassen zusammengefasst:

RS, nein danke: Schweizer Musiker drücken sich vor der militärischen Dienstpflicht. Um das Plazet vor UC zu erlangen, wird auch mal der Psychiater angelogen.
Vor wenigen Wochen rückten junge Schweizer wieder zu Tausenden in die Rekrutenschule ein. Doch noch nie wurden so viele von der Dienstpflicht befreit. Gerade die Kulturschaffenden gehören zur Kategorie der Drückeberger.
20 Minuten fragte bei Schweizer Musikern nach, ob sie die Rekrutenschule besucht haben. Resultat: Kein einziger der angefragten Künstler kennt das Gefühl, im Tenü Grün zu salutieren. (20 Minuten, 26.07.2006)


Soweit ist eigentlich nichts dagegen einzuwenden und die Zitate von den Musiker, welche untauglich geschrieben wurden, lassen die Aussage zu, dass die befragten Schweizer Musiker tatsächlich Drückeberger sind:

Die meisten kamen mit simpelsten Ausreden von der militärischen Dienstpflicht weg, wie der Berner Rapper Kutti MC bestätigt. «Ich täuschte eine Geisteskrankheit vor.» Ähnliches gibt Lovebugs-Drummer Simon Ramseier zu Protokoll: «In meinem psychologischen Gutachten stand, ich müsse für meinen seelischen Ausgleich mindestens zwei Stunden Schlagzeug spielen.»
Rapper Greis machte per Arztzeugnis «Autoritätsprobleme» geltend und kam ebenfalls durch. Und ein Mitglied von Wurzel 5 gesteht gar: «Ich habe den Psychiater einfach angelogen, damit er mir ein glaubwürdiges Zeugnis ausstellt.» Die Kosten des Unterfangens habe sogar die Krankenkasse übernommen.(20 Minuten, 26.07.2006)


Doch bezüglich Zivildienstleistenden, wie Phenomden oder Baschi ist das Prädikat "Drückeberger" verfehlt. Da diese das 1,5 fache an Dienstleisten. Das Zivildienstleisten keine Drückeberger sind schrieb zum Beispiel die NZZ am 27.01.2001:

"Das Gremium, das in persönlichen Anhörungen die Echtheit des Gewissenskonflikts der Gesuchsteller zu prüfen hat, kommt zum Schluss, dass die Zivildienstler keineswegs Faulpelze oder Drückeberger seien. Sie wollten zwar keinen Militärdienst, aber dennoch irgendeinen Dienst für das Land leisten. Zum Teil seien es eigentliche Patrioten, die sich zum Zivildienst meldeten, sagt Anton Keller, Präsident der Zulassungskommission."


Doch schlussendlich ist die Bildlegende unter dem Bild von Baschi schlicht und einfach falsch: "Baschi taugt nur für Zivildienst." Für die Zulassung zum Zivildienst ist die Militärdienst-Tauglichkeit Voraussetzung. Ja von Promi Journalisten sich mit Themen beschäftigen, die eigentlich in die Inland-Redaktion gehören, dann kann dies ja nicht gut raus kommen!

Artikel zum Thema: Pendlerblog, Ist Baschi ein Drückeberger?

Update:

Die Deutschschweizer Reggaeband Kulturattäntat hat am 6. August ein Lied veröffentlicht, warum die beiden Singjays nicht ins Militär gehen wollen: Nidismilitär on Armee21-Riddim
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